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Arnsberg. „Warum hast Du so große Ohren“ fragt Rotkäppchen den bösen Wolf. „Damit ich Dich besser sehen kann“. Die Kinder am Bühnenrand lachen. Versprecher gehören dazu. Die Sequenz wird wiederholt. Der Wolf erhebt sich und geht mit ausgestreckten Armen und gespreizten Fingern auf Rotkäppchen zu. „Wolf, kannst Du Dich richtig auf das Rotkäppchen stürzen?“ ruft die Theaterpädagogin Katharina Milke in Richtung Bühne. „So, und jetzt noch einmal in Zeitlupe. Du bleibst hinten, Wolf. Rotkäppchen, du bist gefressen und gehst nach rechts weg, hinter den Vorhang. Das üben wir noch einmal, damit wir diesen Ablauf klar haben.“

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Katharina Milke probt mit viel Einfühlungsvemögen und Erfahrung mit den 4. Schulklassen der Sauerschule das Märchen Rotkäppchen der Brüder Grimm. Das Theaterspiel gehört zum Projekt „Kulturstrolche“, das von Ulrike Stratmann und Susanne Thoss aus dem Kulturbüro Arnsberg geleitet und betreut wird.

Die meisten Kinder stehen an diesem Tag das erste Mal auf der Bühne. Nacheinander treffen sie mit ihren Lehrerinnen Kirsten Braukmann und Regina Gillert in der Kulturschmiede Arnsberg ein und spielen den ganzen Vormittag lang Theater. „Wir machen, was wir können, denn Ihr habt ja noch keine Ausbildung. Ihr probiert es einfach aus“, erklärt Katharina Milke. Sie üben besondere Gangarten, sie gehen ohne zu sprechen, leicht humpelnd, eilig und versuchen sich im Anschleichen. Sie müssen laut sprechen und dabei dem Publikum das Gesicht zu wenden.

Der nächste Schritt folgt. Die Theaterpädagogin schaut in die Runde. „Wer macht den Jäger?“ fragt sie. „Alex, willst Du das machen?“ Der Jäger geht auf der Bühne umher, er läuft durch den Wald. Die Kinder am Bühnenrand machen Geräusche. Man hört den Wind in den Bäumen rauschen, Vögel zwitschern und ein Kuckuck ruft dazwischen. Da können alle mitmachen. Das haben sie vor Spielbeginn kurz geübt. Der Jäger findet den schnarchenden Wolf und schneidet ihm den Bauch auf. „Sprich dabei. Und sprich laut, damit alle dich verstehen. Lauter. Noch zehn Mal lauter. Versuch es noch einmal.“ Das Spielende naht. Rotkäppchen und die Großmutter sind gerettet. „Rotkäppchen, wo bleibst Du?“, ruft Milke. Rotkäppchen springt hinter dem Vorhang hervor, danach kommt gebeugt die Großmutter. Der Wolf geht stöhnend ein paar Schritte und stürzt zu Boden. An dieser Stelle singen alle „Der Wolf ist tot“ und freuen sich. Die Kinder kommen nach vorn an den Bühnenrand. Die Lehrerin klatscht. Das Verbeugen wird noch einmal geprobt. Nach Anleitung nehmen sie sich an die Hand, denn das erleichtert das gleichzeitige Verbeugen. Die Lehrerin klatscht wieder. „So, wir wechseln die Rollen mal aus. Rotkäppchen kann so bleiben“ entscheidet Milke. Eine neue Spielrunde beginnt.

Die Kulturstrolche mit Schulen aus dem Arnsberger Stadtgebiet gibt es seit 2010. Den Auftakt machte die Sauerschule, gefolgt von der Röhrschule. Die Fröbelschule kam 2011 dazu. Neu dabei ist seit 2012 die Graf-Gottfried-Schule aus Neheim. Das Kulturstrolche-Projekt wurde initiiert und konzipiert vom Dezernat für Bildung, Familie, Jugend, Kultur und Sport der Stadt Münster. Das Kultursekretariat NRW Gütersloh übernahm die Projektidee und konnte inzwischen 33 seiner Mitgliedstädte als Projektpartner gewinnen.

Quelle: Stadt Arnsberg