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Arnsberg. Anlässlich des ersten Spatenstichs zum neuen Hochwasserschutz- deich Langel hielt Karlheinz Weißer, neuer Geschäftsführer der Stadtwerke Arnsberg, folgende Rede:

Das letzte Hochwasser im Juni 2013 in Ost- und Süddeutschland mit seinen dramatischen Ausmaßen hat uns drastisch vor Augen geführt, dass ein sogenanntes hundertjähriges Hochwasser auch nach wenigen Jahren wieder auftreten kann. Die Hochwasserhäufigkeit, die Hochwasserhöhe und die Hochwassergeschwindigkeit sind eben nicht eindeutig berechenbar, sondern hängen von klimatischen Veränderungen, Wetterlagen und den Veränderungen ab, die die Menschen auch in den Flusseinzugsgebieten verursachen.

Unsere Anlage Langel versorgt rund 29.000 Einwohner im Stadtgebiet Arnsberg mit Trinkwasser. Diese Anlage dient im Ausfall der Anlage Möhnebogen auch als Notwasser- werk. Einige unter uns werden sich sicherlich noch daran erinnern, dass bei den Hoch- wasserereignissen 2007 große Teile der Wassergewinnungsanlage Langel überflutet wurden. Die Folge dieser Überflu-tung für rund 29.000 Einwohner in Arnsberg war, dass für das Trinkwasser ein Abkochgebot vom 22. – 28.08.2007 ausgesprochen werden musste.

Für die betroffene Bevölkerung bedeutete dies damals, dass Wasser, dass zur Zubereitung von Speisen, zum Trinken und zum Zähneputzen verwendet wurde, vorher drei Minuten sprudelnd gekocht werden musste. Aber auch andere Bereiche waren von dem Abkoch- gebot erheblich betroffen. So musste z.B. in Gaststätten das Wasser zum Spülen der Gläser abgekocht werden. Zahnärzte mussten ihre Praxen schließen, da sie ihre mit wasserbetriebenen Bohrer nicht mehr einsetzen konnten. In solchen Momenten wird uns verdeutlicht, wie wichtig sauberes und einwandfreies Trinkwasser in unserem täglichen Leben ist. Trinkwasser ist das Lebensmittel Nr. 1.

Der PFT-Skandal 2006, sowie die Hochwasserereignisse 2007 waren Auslöser für enorme Investitionen seitens des Wasserbeschaffungsverbandes in die Wasseraufbereitung und in den Hochwasserschutz.

Im September 2012 wurde die neue Aufbereitungsanlage hier im Wasserwerk Langel in Betrieb genommen. In diese Aufbereitung hat der Wasserbeschaffungsverband rund 5,5 Mio. Euro investiert. Sie war der erste wichtige Baustein zur Sicherstellung einer einwandfreien Trinkwasserqualität.

Eine Überflutung der Wassergewinnungsanlage birgt ein hohes Schadenspotential, da es zu einer Verunreinigung der Brunnen und des Gewinnungsgeländes kommen kann. Daher ist der Hochwasserschutz der zweite wichtige Baustein im Rahmen eines Multibarrieren-konzeptes zur Sicherung einer einwandfreien Trinkwasserqualität.

In den Hochwasserschutz investiert der Wasserbeschaffungsverband nunmehr weitere rund 1,7 Mio. Euro. Hinzu kommen noch einmal rund 300.000 Euro für Ausgleichsmaßnahmen. Für diese Maßnahmen bekommt der Verband keinerlei Fördermittel. Fast 6 Jahre dauerte die Planung des Deiches. Ein wesentlicher Punkt in der Planungsphase war die Festlegung der Deichtrasse. Hier musste ein Kompromiss zwischen dem Trinkwasserschutz und der Wasserwirtschaft gefunden werden. Die einen wollten den Deich möglichst dicht an der Ruhr haben, die anderen möglichst weit entfernt.

Es wurden verschiedene Deichtrassen betrachtet und verglichen. Letztendlich konnte ein Kompromiss gefunden werden, der von allen Beteiligten mit getragen wurde. Um den Anforderungen des Trinkwasserschutzes, des Hochwasserschutzes und des Umwelt-schutzes bestmöglich gerecht zu werden, wurden im Planungsprozess sechs Varianten hinsichtlich ihrer Realisierbarkeit betrachtet und deren Vor- und Nachteile abgewogen.

Der in der Umweltverträglichkeitsstudie unter ökologischen Aspekten ausgeführte Variantenvergleich zeigt, dass die Lösungsvariante auch die landschaftsökologisch beste Variante darstellt. Durch die Begrenzung des Bauzeitenfensters und eingriffsminimierender Maßnahmen wie dem Einsatz des Spezialverfahrens der Grassoden-Verpflanzung, werden die Auswirkungen der erforderlichen Hochwasserschutzmaßnahme auf das Ökosystem so gering wie möglich gehalten.

Durch das aufwändige Verpflanzen der ca. 3 m² großen Grassoden inkl. 30 cm Oberboden kann die artenreiche Vegetation der extensiv bewirtschafteten Grünflächen im Bereich des Vorlandes und der wasserseitigen Deichböschung weitestgehend erhalten werden. Die gewählte Variante stellt somit den bestmöglichen Kompromiss dar, um den gleichermaßen wichtigen Belangen von Trinkwasser-, Hochwasser und Umweltschutz gerecht werden zu können.

Welche konkreten Maßnahmen sind geplant:

Der Hochwasserschutz zur Sicherung der ruhrseitigen Brunnengallerie besteht aus drei Teilbereichen. Zum einen aus einem ca. 600 m langen Erddeich. Für den Deich müssen rund 14.000 m³ Boden eingebaut werden. Der zweite Bereich ist eine ca. 220 m lange Spundwand und der dritte Bereich ist eine Vorlandabdichtung. Das Vorland zwischen Deich und Ruhr bekommt eine rund 18.000 m² große Abdichtung aus Bentonit-Bahnen.

Mit einer Höhe von etwa 1,80 m gewährleistet der Deich, dass mit hoher Wahrschein-lichkeit das Wassergewinnungsgelände nicht mehr überflutet wird. Mit den Bauarbeiten zum Hochwasserschutz wurde am 5. August 2013 begonnen. Die Fertigstellung des Hoch- wasserschutzes ist für den 15. März 2014 geplant.

Der Zeitplan für die Bauausführung der Maßnahme hängt maßgeblich von den Auflagen des Umweltschutzes ab. In der Umweltverträglichkeitsstudie wird ein Bauzeitenfenster vom 01. August 2013 bis 15. März 2014 vorgegeben, um die Bautätigkeiten gesichert außerhalb der Brut- und Wochenstubenzeiten von Vögeln und Fledermäusen durchzuführen. Dieses enge Zeitfenster erschwert die Ausführung, da viele Arbeiten bei schlechter Witterung nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen ausgeführt werden können.

Quelle: Stadt Arnsberg