Print Friendly, PDF & Email

Arnsberg. Immer weniger jüngere Menschen, immer mehr ältere: Diese Entwicklung, auch bekannt unter dem Oberbegriff „Demographischer Wandel“, kommt auf deutsche Kommunen zu oder ist vielmehr bereits in vollem Gange. Welche Folgen damit konkret auf Städte, Unternehmen und die Gesellschaft insgesamt zukommen, ist bislang nur zu Teilen erforscht.

Sicher scheint jedoch eines: Es wird Folgen geben. Der Wandel der Gesellschaft kann ein Risiko sein, aber er kann auch als das Gegenteil verstanden werden: Nämlich als eine große Chance, ein Miteinander zwischen den einzelnen Generationen zu schaffen, den Austausch zwischen Jung und Alt zu verbessern und damit letztlich ein soziales Umfeld zu kreieren, in dem ältere Menschen von dem Wissen Jüngerer profitieren und Jüngere auf den reichen Erfahrungsschatz der Älteren zugreifen können.

Was genau das für die Kommunen bedeutet, in denen der demographische Wandel praktisch gelebt wird und welche Optionen und Handlungsspielräume hier bestehen, war nun Thema der so genannten „Innovators Lounge“ in Arnsberg. In dieser Veranstaltungsreihe, die regelmäßig im Rahmen des Innovators Club kommunale Zukunftsthemen und Pilotprojekte aufgreift und diskutiert, kommen zahlreiche Bürgermeister zusammen mit Wissenschaftlern, Unternehmern, Politikern, Landräten und vielen weiteren Akteuren gemeinsam an einen Tisch – um zu diskutieren, den Austausch zu suchen und gemeinsam neue Ideen für die Zukunft zu erarbeiten.

In Arnsberg ist das Thema des Demographischen Wandels kein neues: Schon lange engagiert man sich hier für das Miteinander der Generationen, was beispielsweise in Kooperationsprojekten von Kitas und Seniorenheimen zum Ausdruck kommt. Die hohe Bedeutung, die die Stadt der Thematik zuweist, schlägt sich auch in der städtischen Verwaltungsstruktur nieder: Die eigens eingerichtete Fachstelle „Zukunft Alter“ ist als Stabsstelle direkt Bürgermeister Hans-Josef Vogel beigeordnet. Das hat gute Gründe:

Die einzig wachsende Altersgruppe lebe in Städten, die mehr oder weniger nicht für sie bestimmt seien, da sie von Jüngeren für Jüngere gebaut wurden, berichtet Vogel. Dies zeigten auch in der Öffentlichkeit diskutierte Themen wie Barrierearmut, eingeschränkte Mobilität, Standorte auf der grünen Wiese. Darauf müssen Städte endlich überall reagieren, so Vogel. Dr. Mareike Köller von der KfW-Bankengruppe ging im Rahmen der Innovators Lounge davon aus, dass allein für den für den altersgerechten Umbau des öffentlichen Bereichs der Kommunen bis 2030 rund 53 Mrd. Euro deutschlandweit notwendig seien.

Die Stadt des langen Lebens ist eine vielfältige und bunte Mehrgenerationenstadt, keine Seniorenstadt„, erläutert Bürgermeister Vogel seine Sichtweise der Thematik. Die Demografiestrategie der Stadt Arnsberg weist dementsprechend auch der jugendlichen Generation eine hohe Bedeutung zu: „Wir wollen Kinder und Jugendliche nicht nur zu uns ins Boot holen, um ihre Themen mitzudenken, sondern wir wollen vielmehr selbst zu ihnen ins Boot steigen, um ihre Bedürfnisse voll zu erfassen„, so Vogel. „Und ebenso möchten wir die Älteren und Ältesten dazu motivieren und befähigen, ihre Potenziale voll zu entfalten und ihre Eigenständigkeit ebenso wie ihre Eingebundenheit in die Gemeinschaft und ihren Austausch mit den Jüngeren zu stärken.

Damit das gelingt, müssten nicht nur städtische Strukturen erneuert und Wahrnehmungen verändert, sondern auch Begrifflichkeiten überarbeitet werden. Nur so könnten der Umgang mit einer alternden Gesellschaft und eine Thematik wie Demenz enttabuisiert werden. „Dieser Prozess des Wandels betrifft auch die Stadtverwaltung selbst„, ergänzt Vogel: „Sie muss sich zu einem Netzwerk entwickeln, das gemeinsam mit verschiedenen Partnern aktiv an der zeitgemäßen Gestaltung unserer städtischen Strukturen arbeitet. Dabei soll auch weiterhin das Wissen von Bürgerinnen und Bürgern aller Altersgruppen intensiv miteinbezogen werden. Die auf diese Weise neu gewonnenen Impulse inspirieren regen zu wertvollen Ideen und Konzepten an.

Im Rahmen des Innovators Club sprachen neben Vogel unter anderem Martin Polenz, Mitarbeiter der städtischen Fachstelle Zukunft Alter, Franz-Reinhard Habbel, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes sowie Johannes Huxol, Geschäftsführer der gastgebenden Trilux GmbH in Arnsberg und Dieter Hackler, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum Thema „Lang lebe die Stadt!“.

Quelle: Stadt Arnsberg