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Arnsberg / Düsseldorf. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Nordrhein-Westfalen bietet am 21. und 22. November 2015 allen interessierten Bürgern und Bürgerinnen des Hochsauerlandkreises und des Märkischen Kreises die Möglichkeit, sich zu einem „Botschafter für die Wildkatze“ ausbilden zu lassen.

Hintergrund:

Die Europäische Wildkatze gehört zur Familie der Katzen (Felidae) und ist eine der seltensten einheimischen Säugetierarten. In der Roten Liste Deutschlands ist die Wildkatze als gefährdet eingestuft. Wildkatzen sind keine verwilderten Hauskatzen. Sie streiften schon durch die Wälder Europas, lange bevor die Römer ihre zahmen Verwandten mit über die Alpen brachten.

Einst war die Landschaft Mitteleuropas geprägt von Wald. Heute bestimmen Straßen, Siedlungen und industrielle Landwirtschaft das Bild. Die Folge sind in isolierte Parzellen zerschnittene Naturräume. Doch viele Tier- und Pflanzenarten sind auf große, zusammenhängende Lebensräume angewiesen, so auch die Wildkatze. Ungern setzt sie eine Pfote auf ausgeräumte Flächen. Bei ihren ausgedehnten Streifzügen läuft sie Gefahr, an Straßen überfahren zu werden. Jungkatzen ist es nur schwer möglich, neue Reviere zu erreichen, um dort eigene Familien zu gründen. Ihnen droht Inzucht, die Anfälligkeit für Krankheiten steigt.

Die Zerschneidung der Landschaft und die konsequente Bejagung und Ausrottung der Wildkatze bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts führte zu der heutigen inselartigen Verbreitung dieser Art. So kommt die Europäische Wildkatze gegenwärtig nur noch in wenigen Gebieten vor, obwohl wir theoretisch bundesweit für sie geeignete Wälder hätten. Daher ist es wichtig, diese letzten Waldinseln wieder miteinander zu verbinden.

Grafik: © Rettungsnetz Wildkatze

Grafik: © Rettungsnetz Wildkatze

Das „Rettungsnetz Wildkatze“ des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Mit rund 20.000 grünen Kilometern wird ein durchgängiges Waldsystem in Deutschland geschaffen. Die Wildkatze ist wie kaum ein anders Tier als Zielart des Naturschutzes für einen Verbund von Waldlebensräumen geeignet. Denn naturnahe und gut vernetzte Wälder sind nicht nur für die Wildkatze eine Voraussetzung zum Überleben. Dort wo sich die Wildkatze wohl fühlt, sind die Bedingungen für viele Arten, wie Luchs, Dachs und Siebenschläfer, optimal. Da Wildkatzen sehr sensibel auf die Zerschneidung von Wäldern reagieren, sind sie zudem ein guter Indikator für den Grad der Vernetzung. Darüber hinaus liegt Deutschland im Zentrum ihres Verbreitungsareals in Europa und trägt damit eine besondere Verantwortung für diese Art.

Auch in Nordrhein-Westfalen beteiligt sich der BUND, um das Rettungsnetz für die Wildkatze, als wohl größtes Naturschutzprojekt in Mitteleuropa, entstehen zu lassen. Nordrhein-Westfalen beherbergt ein bundesweit sehr bedeutendes Wildkatzenvorkommen mit geschätzten 1.000 bis 3.000 Individuen in Eifel, Rothaargebirge, Arnsberger Wald, Eggegebirge und Weserbergland (und Siebengebirge). Diese Anzahl stellt in etwa die Hälfte des geschätzten deutschlandweiten Vorkommens von 5.000 bis 7.000 Tieren dar!

Um dieses Vorkommen zu schützen und zu hegen, dafür werden SIE gebraucht! Sie können den BUND in Ihrem Kreis und in Ihrer Gemeinde dabei unterstützen, der Wildkatze im rechtsrheinischen Gebiet ein sicheres Rückzuggebiet und zu Hause zu bieten. Gesucht werden Menschen jeglichen Hintergrunds, die sich für die Verbesserung der Habitate, der Entschneidung der Landschaften sowie der Untersuchung der Lebensweise der Wildkatzen engagieren möchten. Dazu müssen gemeinsam die betroffenen Förster, Landwirte, Jäger und Privatleute davon überzeugt werden, bewusster mit ihren Ressourcen und unterstellten Landschaften umzugehen. Dies muss nicht immer automatisch mit Geldverlust oder Geldeinsatz einhergehen. Manchmal ist es nur eine Frage der Wahrnehmung und der Rücksichtnahme.

SIE, die angehenden Wildkatzenbotschafter, werden für diese Aufgaben vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) an einem Wochenende mit Informationen rund um die Wildkatze versorgt. Dabei lernen Sie etwas über ihre Lebensweise, ihr Vorkommen, ihre Bedürfnisse und die Gefahren, denen sie ausgesetzt ist. Zudem soll über die Probleme im aktiven Schutz der Wildkatze geredet werden, Ihnen Hilfsmittel zur Kommunikation mit Betroffenen gegeben und direkt anwendbare regionale Projekte konzipiert werden. Am Ende des Seminars werden Sie ein kompetenter Ansprechpartner zum Thema Wildkatze für Ihre Nachbarn, Freunde und Gemeindevertreter sein.

Seminar Wildkatzenbotschafter Hochsauerlandkreis
Datum: 21. und 22. November 2015
Ort: Sauerländischer Gebirgsverein, Hasenwinkel 4, 59821 Arnsberg

Anmeldung bis zum 05. November 2015:
Dr. Christine Thiel-Bender
Projektmitarbeiterin „Wildkatzensprung“
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V., Merowingerstraße 88, 40225 Düsseldorf
Telefon: 0173/7266612; e-mail: cathiel@freenet.de.

Quelle: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) NRW e.V.